Smarte Waage für die Körperanalyse von Phicomm

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Wem schon der regelmäßige Gang zur Körperwaage ein flaues Gefühl in den Magen treibt, der sollte sich vielleicht besser nicht mit der smarten Waage vom hierzulande relativ unbekannten Anbieter Phicomm beschäftigen. Denn das Gerät soll laut Hersteller bis zu 22 verschiedene Messwerte – darunter neben dem Gewicht auch das Körperfett oder den Eiweiß- und Wasseranteil messen und daher noch deutlich mehr Gesundheitsdaten als herkömmliche Waagen zur Verfügung stellen. Wer aber schon auf smarte Geräte wie Fitnesstracker oder Blutdruckmessgerät mit Bluetoothanbindung setzt, hat ein größeres Interesse am Sammeln von Gesundheitsdaten und dürfte deshalb an der smarten Waage Smart Scale S7 von Phicomm durchaus interessiert sein.

Umfangreiche Körperanalyse

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Schon länger lässt sich der Anteil an Körperfett mit speziellen Waagen messen. Das Problem der meisten preiswerten Körperfettwaagen: Die Messung erfolgt nur durch Sensoren für die Füße. Damit lässt sich aber nur der untere Bereich des Körpers messen. Für Rumpf und Arme hingegen wird der Fettanteil bei solchen Waagen berechnet, was natürlich sehr ungenau ist. Höherwertigere Systeme werden mit einem zusätzlichen Handteil geliefert und ermöglichen eine deutlich genauere Messung, kosten dafür aber mit Preisen ab 150 Euro auch deutlich mehr. Nun bietet Phicomm mit der Smart Scale S7 eine Waage für unter 100 Euro an, die nicht nur mit Handsensor geliefert wird, sondern auch mit einer WLAN-Anbindung ausgestattet ist und damit eine umfangreiche Auswertung der ermittelten Daten über eine spezielle App ermöglicht. So ein smartes System hätten wir wahrlich nicht zu einem UVP von 99 Euro erwartet, wobei die Preise im Netz ab 89 Euro sogar noch günstiger sind. Einige gute Gründe also, die Waage einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Hervorragende Verarbeitung

Die Verpackung der Waage ist unspektakulär. Das Gerät selber aber macht von Anfang an einen hochwertigen Eindruck. Mit nur 15 Millimetern ist sie ausgesprochen dünn und macht daher in jedem Bad eine gute Figur. Die Waage selbst besteht aus Kunststoff, die Oberseite aus einer 6 Millimeter dicken Glasscheibe. In weiß gehalten passt sie auch optisch gut in die Baddekoration. An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Die Waage wirkt sehr hochwertig und braucht sich vor deutlich teureren Markengeräten keinesfalls zu verstecken. Im ausgeschalteten Zustand verbirgt sich unsichtbar ein weißes LED-Display oberhalb in der Mitte. Dieses ist gut lesbar und ausreichend groß, so dass ein Ablesen für die meisten Menschen auch ohne eventuell erforderliche Brille kein Problem darstellt. Das Handteil wird über eine Klinkenbuchse mit der Waage verbunden und hat ein ausreichend langes Kabel. Auch größere Menschen können es daher problemlos mit angewinkelten Händen halten. Jeweils 4 Sensoren in der Waage und dem Handteil dienen der umfangreichen Analyse von Körperfett und Flüssigkeiten im Körper. An der Waage selebst wird allerdings nur das Gewicht angezeigt. Alle anderen Messwerte sind hingegen ausschließlich über eine kostenlose App abrufbar, die kostenlos für iOS und Android verfügbar ist. 

Einrichtung per App

Zunächst muss die Waage erst einmal eingerichtet werden. Das erfolgt über die App PHICOMM Health. Nach der Installation und der Initiierung der Waage fragt die App zunächst die WLAN-Daten ab und bittet um die Eingabe des Passwortes. Anschließend verbindet sich das Gerät über das 2,4-GHz-Netz mit dem Router. Eine Verbindung über das 5-GHz-Netz ist hingegen leider nicht möglich. In unserer Testumgebung mit einer Fritzbox 7490 funktionierte die Anmeldung problemlos. Nicht so gut fanden wir allerdings den Bedarf an Freigaben für die App. So forderte diese Neben Zugriff auf Speicher und Standort auch die Freigabe der Kamera und sogar des Telefons. Das ging uns etwas zu weit und so erlaubten wir nur Speicher- und Standortfreigaben. Beim Start „meckert“ die App nun zwar, funktioniert aber auch ohne die beiden kritischen Freigaben trotzdem problemlos. Möglicherweise soll die Kamera bei einer möglichen Koppelung der Waage an mehrere Smartphones zum lesen eines generierten QR-Codes dienen. Das können wir bei Bedarf aber immer noch temporär erlauben. Praktisch: Die App kann auf mehreren Geräten installiert und mit der gleichen Waage verknüpft werden. So können mehrere Familienmitglieder ihre Körperdaten unabhängig voneinander im Blick behalten. Bis zu zehn Nutzer sind möglich. Beim ersten Nutzen der App kam es bei uns mit einem Samsung Galaxy S9 zu dauernden Absturzmeldungen des Systems. Nach einem kompletten Neustart funktionierte anschließend allerdings alles einwandfrei.

Messung

Ist alles eingerichtet, kann die Messung erfolgen. Hierzu steigt man barfuß auf die Waage und hält gleichzeitig den Handgriff so, dass beide Hände jeweils die Sensoren umfassen. Nach wenigen Sekunden zeigt die Waage das Gewicht an und übermittelt anschließend die Daten über das heimische Netzwerk an die App. Die Übertragung wird an der Waage selber durch eine Animation symbolisiert. Der komplette Messvorgang dauert mit etwa 15 Sekunden dadurch deutlich länger als ein einfaches Wiegen. Anschließend können die Daten in der App übernommen und ausgewertet werden. Sind verschiedene Benutzer auf einem Smartphone hinterlegt, muss noch der passende Nutzername ausgewählt werden. Aber Achtung: Wählt man hier versehentlich den falschen Namen, werden die Daten auch einem falschen Nutzer zugeordnet. Übrigens braucht man das Smartphone nicht im Bad dabei zu haben. Die Messdaten werden nämlich via WLAN automatisch an das Gerät übermittelt, wenn sich dieses irgendwo im betreffenden WLAN-Netz befindet. Werden Messdaten nicht sofort gespeichert, sammelt die App aufgelaufene Messungen und erlaubt eine spätere Speicherung. Auch hier muss natürlich auf die richtige Nutzerzuordnung geachtet werden. Die Kommunikation mit der App klappte im Test aber stets einwandfrei.

 

Auswertung der Daten

In der App werden die empfangenen Daten ausführlich ausgewertet. Natürlich lassen sich auch Ziele einrichten und der Erfolg wird stets aktuell angezeigt.

Nach dem Import der Daten werden die Messergebnisse in der App ausgewertet. Neben dem Gewicht und dem Körperfettanteil zeigt die App noch zahlreiche Weitere Daten. Dazu gehören zum Beispiel die Muskelmasse, die Knochenmasse oder der Wasser- und Eiweißgehalt. Zudem wird auch die Verteilung von Körperfettanteil und Muskelmasse im Körper ausgewertet, so dass der Nutzer schon eine sehr umfangreiche Analyse präsentiert bekommt. Wie genau die Messwerte am Ende sind, lässt sich natürlich ohne Gegencheck schlecht sagen. Der Hersteller selbst verweist darauf, dass es sich um kein medizinisches Gerät handelt. Dennoch scheinen die angezeigten Werte schon eine recht hohe Plausibilität zu haben. Selbstverständlich lassen sich auch Ziele festlegen, die dann durch Diäten und/oder Training erreicht werden sollen. Diese Ziele beschränken sich allerdings auf ein Zielgewicht und der zu erreichende Körperfettanteil. Übrigens errechnet die App auch den BMI und das biologische Alter auf Basis der Messdaten. Manche Bewertungen erscheinen dabei aber nicht sonderlich logisch. So wertet die App das Biologische Alter bis zum echten Lebensalter als zu klein, während schon ein Jahr darüber gleich zu groß ist. Abgesehen von diesen kleinen Differenzen aber bekommt der Nutzer einen sehr guten Überblick über die ermittelten Daten. Bei längerer regelmäßiger Nutzung können die Erfolge (oder Misserfolge) auch als Diagramme dargestellt werden. 

Stromversorgung

Betrieben wird die Waage übrigens über einen eingebauten Akku, der im Auslieferungszustand nahezu voll geladen ist. Dieser soll annähernd ein Jahr bei regelmäßiger Nutzung halten, was wir im Test natürlich noch nicht beurteilen können. Ein Netzteil liegt übrigens nicht bei. Dafür kann der Akku über ein normales Datenkabel vom Smartphone am Handy-Ladegerät oder einer USB-Schnittstelle problemlos wieder nachgeladen werden. Es ist schon sehr praktisch, dass ein Nachladen nur so selten erfolgen muss. Und in gewisser Weise wird damit auch die Umwelt geschont, da kein häufiger Austausch von Batterien erforderlich ist.

Fazit

Wer ein Gerät zur umfangreichen Körperanalyse sucht, macht mit der Smart Scala S7 eigentlich nichts verkehrt. Das Gerät sieht wertig aus, ist gut verarbeitet und arbeitet problemlos mit der App zusammen. Dank Multiuser-Funktion eignet sich die Waage für die ganze Familie. Lediglich beim Thema Datensicherheit sind wir etwas kritisch. Die App erfordert aus unserer Sicht etwas zu viele Freigaben. So ist uns ein Rätsel, warum auch ein Zugriff auf die Telefoniefunktion erforderlich sein soll. Auch das Einbinden in das heimische WLAN hinterlässt in diesem Zusammenhang einen leicht faden Beigeschmack. Schließlich weiß man nicht, welche Daten möglicherweise ohne Wissen des Nutzers versendet werden. Hier wären vielleicht noch ein paar Informationen zum Datenschutz wichtig, die bei Vertrieb eines solchen Gerätes in der EU aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ohnehin Pflicht wären.

Bildquellen:

  • ScaleS7_Pic30_1500x1500: © Phicomm Europe GmbH
  • ScaleS7_Pic29_1500x1500: © Phicomm Europe GmbH
  • App_Health: © Screenshot/Phicomm Europe GmbH
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