Smartphone Samsung Gigaset GS290 „Made in Germany“ im Praxistest

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Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt Gigaset das neue Smartphone GS290 auf den Markt. Eine komplette Neuentwicklung ist das Gerät nicht, sondern reiht sich nach dem GS280 in die GS-Reihe ein – der Flaggschiffserie der Bocholter. Im internationalen Vergleich ordnet sich das Smartphone in die Mittelklasse ein, wo Nutzer höhere Ansprüche an Ausstattung und Verarbeitung stellen. Dem wird das GS290 im Wesentlichen durchaus gerecht.

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Alleinstellungsmerkmal „Made in Germany“

Das in Nordrhein-Westphalen angesiedelte Unternehmen weist dabei zu Recht nicht ohne Stolz darauf hin, dass die Gigaset-Serie die einzige Smartphone-Produktion ist, die in Deutschland produziert und sich damit zurecht „Made in Germany“ nennen darf. Auch das Thema Umweltschutz ist Gigaset ganz offensichtlich wichtig. So wird das Gerät ohne unnötige Plastik-Umverpackung ausgeliefert. Die Recycling-Verpackung besteht zu 30% aus Grasfasern und selbst das mitgelieferte USB-Kabel ist lediglich mit einem Pappstreifen umhüllt. Einzig auf dem Smartphone selbst findet sich eine Schutzfolie aus Plastik. Gleich darunter hat Gigaset dem Display eine dauerhaft aufgebrachte Display-Schutzfolie spendiert, die natürlich bei Bedarf oder Verschleiß ebenfalls abgenommen und ersetzt werden kann. Neben Netzteil und Ladekabel befindet sich zudem noch eine durchsichtige Silikonhülle im Karton. Auf den zusätzlichen Kauf einer Schutzhülle kann demnach verzichtet werden, was dem Käufer zusätzlich Investitionen und Nachkäufe erspart. Übrigens ist das GS280 eines der wenigen Smartphones, die noch mit einem herkömmlichen Kopfhörerausgang versehen sind. Ein Headset liegt aus gutem Grund dennoch nicht bei: Oftmals werden diese ohnehin nicht genutzt oder durch hochwertigere Kopfhörer ersetzt. Wird ein solches Headset angeschlossen, kann auch eine Radio-App genutzt werden. Leider kann hiermit nur UKW empfangen werden. Innovativer wäre zweifelsohne ein DAB-Digitalradioempfänger gewesen.

Lobenswert: Bei der Lieferung achtet Gigaset auf Umweltaspekte und verzichtet auf Plastikverpackungen.

Ausstattung

Beim Auspacken fällt gleich das angenehm große Display auf. Mit einer Diagonale von 6,3 Zoll und einer Auflösung von 2340×1080 Pixeln entspricht dies etwas mehr als dem HD-Standard und erlaubt somit ein bequemes Arbeiten mit Browser, Messenger & Co. Dank einer Aussparung für die Frontkamera (V-Notch genannt) reicht das Display bis zum Rand des Smartphones und bietet ein Seitenverhältnis von 19,5:9. Mit einer Pixeldichte von 409 ppi, einer Leuchtstärke von 430cd/m2 und einem Kontrastverhältnis von 1500:1 ist das Display des Gerätes wirklich ordentlich ausgestattet. Zudem ist es laut Hersteller kratzfest und schmutzabweisend. Angetrieben wird das Gerät von einem MediaTek-Helio-P23-Octacore-Prozessor. Diese nicht mehr ganz so taufrische CPU lässt sich mit bis zu 2 GHz Takten und reicht für einen vernünftigen Betrieb des Gerätes aus. Zum Zocken ist das GS290 allerdings eher nicht geeignet und auch nicht gedacht. Unterstützt wird der Prozessor von 2 Gigabyte Arbeitsspeicher. Auch der Flash-Speicher ist ordentlich dimensioniert und mit 64 Gigabyte schon recht großzügig. Erweitert werden kann dieser mittels Micro-SD-Karte mit bis zu 256 Gigabyte Speicherkapazität.

Kamera

Interessant ist die Kameraausstattung: Der frontseitig eingebaute, im V-Notch untergebrachte Sensor kann Bilder mit 16 Megapixeln schießen und eignet sich daher hervorragend für Selfies. Auf der Rückseite sind sogar zwei Kameras untergebracht. Diese lösen mit 16 und 2 Megapixeln auf. Schade: Auf zwei unterschiedliche Brennweiten der beiden Linsen hat Gigaset verzichtet, stattdessen dient die zweite Kamera nur der Tiefenmessung und Bildoptimierung ArcSoft®. Das das GS290 nur HD-Videos aufnehmen kann, wird sicherlich so manchen Videofan etwas stören. Die Zielgruppe hier scheinen also tatsächlich eher Selfie-Fans als Hobbyfotografen zu sein, die mittlerweile in manchem Smartphone eine wertige Alternative zur sperrigen Spiegelreflex gefunden haben. Dennoch stehen immerhin umfangreiche Foto-Modi vom Profimodus mit einstellbarem Weißabgleich, ISO-Empfindlichkeit und EV Belichtungsregelung bis hin zu einer Panoramafunktion zur Verfügung. Fotos lassen sich auf Wunsch auch mit Kontrastverbesserer HDR aufnehmen. Auch verschiedene elektronische Filter wie Filmlook oder Nostalgie stehen zur Verfügung. Die Fotoqualität geht bei Tageslicht und guten Lichtverhältnissen in Ordnung, unter schlechteren Lichtverhältnissen zeigt das System allerdings deutliche Schwächen.

Unsere Testbilder im Kunstlicht entstanden alle gleichzeitig mit dem GS290, einem Huawei P20 Lite und als Referenz dem Samsung Galaxy S9+. Während unter normalen Lichtverhältnissen auch das GS290 für reine Schnappschüsse ausreicht, kann es im Dunkeln trotz Blitz und HDR-Unterstützung nicht einmal dem auch nicht überragenden Huawei P20 Lite das Wasser reichen, wie unsere Testaufnahmen in der Diashow zeigen.

Funktionen und Sensoren

Hier zeigt sich das GS290 doch sehr zeitgemäß. So lässt sich das Smartphone mit einem rückseitig angebrachten Fingerabdrucksensor entsperren, der im Test stets präzise reagierte. Bis zu fünf unterschiedliche Profile lassen sich hier ablegen, falls das Smartphone von mehreren Personen genutzt wird.  Als Alternative steht auch eine Gesichtserkennung zur Verfügung, die allerdings keinen so hohen Sicherheitsstandard aufweist. In beiden Fällen muss ohnehin noch ein PIN hinterlegt werden, der von Zeit zu Zeit abgefragt wird. Umfangreiche Sensoren wie Lage-, Näherungs-, Helligkeits-, Gyroskopsensor und E-Kompass sind verbaut. Bei den Navigationseigenschaften listet Gigaset neben dem üblichen A-GPS und GPS auch das noch genauere Navigationssystem Glonass auf. Damit ist eine noch präzisere Ortung möglich. Bei den Mobilfunkfrequenzbändern steht alles inklusive aller aktuellen LTE-Bänder zur Verfügung. WLAN-Verbindungen werden im 2,4 und 5 GHz-Band aufgebaut und Bluetooth steht in der Version 5 zur Verfügung. Damit ist das Smartphone aus Bocholt durchaus auf Höhe der Zeit ausgestattet.

Ladefunktion

Praktisch: Neben der Typ C USB-Schnittstelle hat Gigaset dem GS290 auch eine kabellose Ladefunktion spendiert. Mit bis zu 15 Watt kann es drahtlos geladen werden. Das beiliegende Ladenetzteil unterstützt die Schnelladefunktion des Gerätes. Der verbaute Lithium Polymer Akku ist eine der großen Überraschungen. Mit 4700 mAh ist dieser fest verbaute Akku erstaunlich potent und erlaubt eine Standby-Zeit mit einer SIM-Karte von bis zu 216 Stunden. Selbst mit noch nicht ordentlich konditioniertem Akku im Testbetrieb schafften wir problemlos zwei Tage Testnutzungsdauer, ohne den Akku an seine Grenzen zu bringen. Mit rund 38 Prozent Restladung zeigte der immer noch ordentlich Ausdauer. Das ist lobenswert. Gigaset gelber gibt als Beispiele 34 Stunden Musikwiedergabe, 8 Stunden Videowiedergabe oder 8 Stunden Sprechzeit an – was für ein aktuelles Smartphone ein überragender Wert ist.

Die Ausdauer des integrierten Akkus ist bemerkenswert und eines der Highlights des Gigaset GS290

Mobilfunk

Gleich zwei SIM-Karten lassen sich im Smartphone betreiben. Dann allerdings muss auf den Betrieb einer zusätzlichen Speicherkarte verzichtet werden, da der zweite Kartenschacht als Hybridschacht ausgeführt ist. Ein gutes Ergebnis legte das Smartphone bei einer der Kernfunktionen, nämlich dem Telefonieren an den Tag. Der Sprachqualität war hervorragend, auch die selbstverständlich vorhandene Freisprecheinrichtung funktionierte einwandfrei. Auf Wunsch lassen sich auch die Telefoniesysteme Voice over LTE (VoLTE) und Voice over WLAN (VoWLAN) aktivieren, wenn diese vom Netzbetreiber unterstützt werden. Erfreulich: Beim Dual-SIM-Betrieb lassen sich beide Karten auch im schnellen LTE-Netz betreiben. Viele andere Geräte erlauben den LTE-Datenverkehr nur mit jeweils einer der beiden Mobilfunkkarten.

Mobiles Bezahlen

Dank integrierter Near Field Communication (NFC) lässt sich das GS290 auch zum kontaktlosen Bezahlen in Verbindung mit entsprechenden Zahlungssystemen nutzen. Praktisch für unterwegs: Der Ladeanschluss ist mit USB On The Go (OTG) ausgestattet und kann als Powerbank zum Laden anderer externer Geräte genutzt werden.

Betriebssystem Android Pie

Ausgeliefert wird das Smartphone mit einer puren und unverbasteltem Android-Pie-Version (Android 9). Der Vorteil: Hier wird dem Betriebssystem keine eigene Benutzeroberfläche aufgestülpt, auch auf speicherfressende und zumeist unnütze Zusatzsoftware wurde verzichtet. Natürlich lässt sich bei der Ersteinrichtung auch die Konfiguration vom alten Smartphone übernehmen – zum Beispiel über die Google-Funktion Sichern und Wiederherstellen. Gut zu wissen: Für 2020 hat Gigaset schon das Update auf das neue Android 10 angekündigt.

Leistungsdaten

Um die Leistungsfähigkeit zu messen, haben wir das GS290 gegen ein Huawei P20 Lite und (zugegeben unfairerweise) das Oberklasse-Smartphone Samsung Galaxy S9+ antreten lassen. Selbstverständlich erwarteten wir keine vergleichbare Performance wie beim S9+, zum Vergleich allerdings sind unsere Benchmark-Ergebnisse von AnTuTu recht aufschlussreich:

Bei der reinen CPU-Leistung ist das GS290 rund 2,5mal langsamer als das S9+, aber nicht viel schlechter als das Huawei P20 Lite. Die GPU liefert im Vergleich zu Huaweis Mittelklasse-Pendent sogar bessere Werte, während auch hier das S9+ erwartungsgemäß konkurrenzlos ist. Das GS290 lässt sich also von Grafik- und Prozessorleistung durchaus mit dem P20 Lite vergleichen.

Zwei Styles

Verfügbar ist das GS290 in den beiden Farben Pearl White und Titanium Grey. Optisch passend ist das Smartphone mit einer Alueinfassung umgeben. Wir hatten im Test das Gerät in Pearl White. Dieses überzeugte nicht nur durch die optisch ansprechende Form, sondern auch eine Art schillernden Perlmut-Effekt auf der Rückseite. Übrigens: Wer sich das Smartphone im Internet direkt bei Gigaset bestellt, kann sich für 5 Euro sogar eine persönliche Gravur mit bis zu 26 Zeichen auf der Rückseite anbringen lassen. Aber Achtung: Da das Gerät dann ein individuell angefertigtes Produkt ist, entfällt das sonst enthaltene 14-tägige Widerrufsrecht.

Die Rückseite mit interessantem Perleffekt

Unser Praxiseindruck

Wir haben das GS290 im Praxistest unter die Lupe genommen. Das bedeutet, wir testen das Gerät wie ein normaler Endkunde ohne aufwändige Labormessungen. Gut gefallen hat uns die leichte Bedienbarkeit dank ungebrandetem Android. Auch die Laufzeit des Akkus hat uns beeindruckt. Die Sprachqualität ist hervorragend und das Smartphone bringt alles mit, was man sich von einem aktuellen Gerät wünscht. Übrigens eignet sich das GS290 hervorragend auch als Steuerung von Drohnen bzw. Quadrocoptern der Firma DJI. Diese doch etwas spezielle Erkenntnis ist sicherlich für den einen oder anderen Smarthome-Fan gar nicht so uninteressant. Schließlich ist zum Steuern einer solchen Drohne stets ein Smartphone erforderlich und nicht alle Android-Geräte am Markt eignen sich hierfür. Das GS290 kann aber auch da uneingeschränkt empfohlen werden. Etwas gestört hat uns beim Surfen lediglich ein gewisser Nachzieheffekt beim Scrollen. Im normalen Tagesbetrieb hält sich das in Grenzen, aber im Nachmodus mit aktiviertem Blaufilter empfangen wir dies durchweg als störend, und zwar so schlimm, dass wir den Blaufilter wieder deaktivierten. Möglicherweise ist das Gespann aus CPU und GPU an dieser Stelle doch etwas überfordert. Alles in Allem ist das Gigaset GS290 aber ein durchweg empfehlenswertes Gerät. Für 269 Euro kann es ab sofort erworben werden.

Sogar als Steuerung und Kontrollstelle für Drohnenflüge – im Beispiel der DJI Mavic Air – eignet sich das Gigaset GS290 hervorragend

Bildquellen:

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  • Kamera: Mike Bauerfeind
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  • Fingerabdrucksensor: Mike Bauerfeind
  • Akkuleistung: © Screenshot/Gigaset Communications GmbH
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  • SamsungS9: © Screenshot/Gigaset Communications GmbH
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